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Geistliches Wort Mai 2022

Gemeindebrief

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und
Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hätten Sie gedacht, dass dieser Wunsch in der Bibel steht? Damit hat Johannes seinen Brief an Gaius angefangen, ein kurzes Schreiben, in dem er auf konkrete Ereignisse eingeht, die darauf schließen lassen, dass es in der Gemeinde, in der Gaius vermutlich ein Presbyter war, Konflikte gab.

Wohlergehen und Gesundheit wünscht er ihm in jeder Hinsicht, an Leib und Seele.

Dann lobt er ihn, hebt seine Gastfreundschaft und Liebe auch Fremden gegenüber hervor. Johannes stärkt Gaius den Rücken, denn er hat mitbekommen, dass der es gerade alles andere als leicht hat. In der Gemeinde hat ein anderer mehr Einfluss gewonnen, einer, der anders handelt und ist, abweisend und hart. Mehr erfahren wir nicht aus diesen wenigen Zeilen, denen der Monatsspruch für Mai entnommen ist.

Gute Wünsche und lobende Worte tun gut, gerade wenn man, so wie jener Gaius in einer schwierigen Situation steckt. Ich stelle mir vor, wie er die Zeilen liest und sich verstanden fühlt, bestärkt in dem, wie er sich verhält: gastfreundlich und liebevoll, so hat Jesus sich das vorgestellt. Wie er Mut schöpft, weiterzumachen, weiter an der Liebe festzuhalten und sie weiterzugeben.

Johannes, so scheint es mir, hat den richtigen Ton getroffen, die richtigen Worte gefunden, die Gaius ermutigt und gestärkt haben und auch uns heute Mut machen können, festzuhalten an Liebe und Gastfreundschaft – so wie es im Moment ja, Gott sei Dank, vielerorts geschieht.

Wohlergehen und Gesundheit in jeder Hinsicht, das hat Gott uns zugedacht, jedem Menschen. Und uns deshalb aufgetragen, so gut wir das können, mit dafür zu sorgen, dass niemand zu Schaden kommt, dass niemand verletzt wird, an Leib oder Seele. Wie begrenzt unsere Möglichkeiten dazu sind, das sehen wir mit Entsetzen in den letzten Wochen und Monaten, in denen der Krieg in der Ukraine so viel Leid und Elend verursacht. Und klar ist auch, dass wir allein mit guten Wünschen und Gedanken nichts verändern können. Doch gepaart mit dem, was Gaius uns vormacht, mit konkreter Nächstenliebe und Gastfreundschaft können und werden sie ihre Kraft entfalten – für Menschen, die bei uns Zuflucht suchen (nicht nur aus der Ukraine), für die Zusammenhänge, in denen wir leben, für uns selbst. Und mit Gottes Hilfe wird der Wunsch in Erfüllung gehen. Das möchte ich mitnehmen, als Mutwort für den Mai.

Seien Sie herzlich gegrüßt!

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

 

Ihre Pfarrerin Nina Nicklas-Bergmann

 

 

Geistliches Wort April 2022

Gemeindebrief

Liebe Leserinnen,
liebe Leser,

während ich diese Zeilen schreibe, herrscht seit zehn Tagen Krieg in der Ukraine: Panzer rollen, Bomben fallen, Häuser werden zerstört, ungezählte Menschen haben ihre Heimat verlassen müssen und sind auf der Flucht, Industrieanlagen werden in Schutt und Asche gelegt, zahllose Menschen werden verletzt, getötet. Mich macht das, wie so viele, fassungslos und sprachlos. Niemals hätte ich gedacht, dass es das noch einmal geben würde: einen Krieg in Europa. Niemals hätte ich gedacht, dass man Differenzen mit Waffengewalt zu lösen versucht.
Im Gebet (allein oder mit anderen) die Not vor Gott zu bringen, die große Hilfsbereitschaft und Solidarität zu sehen, gibt mir Kraft und hilft mir, die Hoffnung nicht zu verlieren.
Vielleicht, ja vielleicht sind die Kampfhandlungen eingestellt, wenn Sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten. Ich weiß es nicht.

Kann ich das zu hoffen wagen?
Wahrscheinlich werden dann auch bei uns geflüchtete Menschen angekommen sein und Zuflucht gefunden haben. Und wahrscheinlich wird unsere Welt, selbst wenn die Waffen dann schweigen, nicht mehr so sein wie vor dem 24. Februar 2022.
Während ich diese Zeilen schreibe, scheint mir die Sonne ins Gesicht, im Garten zwitschern die Vögel, Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen blühen um die Wette – das Leben bricht sich Bahn mit aller Macht. Doch die Freude und Leichtigkeit, die sich sonst im Frühjahr bei mir einstellt, bleibt aus. Wie könnte ich den Frühling genießen, wenn die Not so groß ist, so viel Unrecht geschieht, so viele leiden und wenn keiner und keine weiß, was noch werden wird?
Gleichzeitig ertappe ich mich dabei, wie ich mich regelrecht dazu ermahne, die schönen Momente bewusst wahrzunehmen und zu genießen, mich daran zu freuen, ja sie zu sammeln und daraus Kraft zu schöpfen – steht mir doch viel deutlicher vor Augen, wie zerbrechlich das Leben ist, wie gefährdet alles, was uns sonst Sicherheit gibt.
Dass unser Gott uns nicht alleine lässt mit unserer Angst und Sorge, dass wir uns an ihn wenden können mit unserer Verzweiflung und auch mit unseren Zweifeln und Fragen, daran werden wir in diesen Tagen der Passionszeit besonders eindrücklich erinnert: Auch Jesus hat Todesangst und tiefe Verzweiflung erlebt, kannte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. All seine Verzweiflung bringt er vor Gott, im Dunkel der Nacht, im Garten Gethsemane und findet Zuflucht und Trost, die innere Kraft, seinen Weg weiterzugehen.
Und dieser Gott Jesu steht auf der Seite der Leidenden, der Gequälten und Verletzten – das ist für mich eine zentrale Botschaft des Karfreitages: Gott ist da – mitten im Elend, hält mit aus: die Gewalt, den Hass. Und Gott sorgt dafür, dass Gewalt, Hass und Tod nicht das letzte Wort behalten werden. Das ist meine tiefe Hoffnung. Gottes Liebe lässt sich nicht kleinkriegen und nicht unterkriegen. Das Kreuz ist nicht das Ende – am Ende steht das leere Grab! Das ist die Hoffnung, an die ich mich halten will – auch jetzt, wenn unsere Realität so ganz anders zu sein scheint. Dass wir uns daran immer wieder erinnern und daraus Mut und Kraft schöpfen für unseren Alltag mit seinen Aufgaben und Herausforderungen und für unser Engagement für den Frieden, das wünsche ich uns.

In diesem Sinne eine gesegnete Passionszeit und trotz allem frohe Ostern!

 

B.N. Nicklas-Bergmann

 

 

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