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Geistliches Wort Juli 2022

Liebe Leserinnen und Leser,

Johanni liegt schon wieder hinter uns, die Hälfte des Jahres ist vorbei, und in wenigen Wochen stehen die Sommerferien vor der Tür. Viele, nicht nur Schülerinnen und Schüler, freuen sich auf die freie Zeit, auf die Pause vom Alltag: endlich Zeit für Menschen, die einem wichtig sind, Familie und Freunde; Zeit für das, was guttut, Zeit auch für das, was im Alltag liegengeblieben ist. Zeit für einen Tapetenwechsel: einen Ausflug oder eine weitere oder kürzere Reise. Mal keine Pflichten, kein Termindruck, dafür die Möglichkeit, die Seele baumeln zu lassen und Neues zu entdecken, auszuprobieren. Und dazu muss ich gar nicht unbedingt weit wegfahren oder etwas ganz Außergewöhnliches unternehmen. Viel wichtiger ist es, so glaube ich, Herzen und Sinne zu öffnen für das, was Gott an Gutem bereithält, und einen dankbaren Blick einzuüben, wie uns Paul Gerhardt in dem Lied, das vielen von uns vertraut sein wird, einlädt:

„Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben.“

Gerade in unserer Zeit, in der der Krieg in der Ukraine uns nach wie vor belastet und bedrückt, möchte ich mich von diesen Zeilen immer wieder ermutigen lassen, die Spuren von Gottes Güte zu suchen. Ich möchte das Staunen nicht verlernen, über der Klage den Dank nicht vergessen. Ich möchte die Schönheit der Schöpfung und die guten Möglichkeiten, die Gott in unser Leben legt, nicht übersehen neben allem Leid und Elend, allem Hass und aller Gewalt. Ich möchte ein empfindsames und offenes Herz bewahren für Gott (mach in mir deinem Geiste Raum) und die Menschen; und mit meiner kleinen Kraft dazu beitragen, dass (wenn auch nur für Momente) Wirklichkeit wird, worauf wir hoffen, woran wir glauben: Gottes neue Welt. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine gesegnete Sommerzeit!

Ihre Pfarrerin Nina Nicklas-Bergmann

 

PS: Herzliche Einladung zu unserem „Gottesdienst auf dem Weg“ am 24. Juli um 10 Uhr.
Wir beginnen mit einem Frühstück in/an der evangelischen Kirche und feiern dann gemeinsam Gottesdienst an Stationen auf dem Pilgerweg „Camino incluso“. Der Abschluss mit einem Mittagessen wird in Fürth sein. Von dort aus fahren stündlich Busse zurück nach Lindenfels.

Geistliches Wort Juni 2022

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in meiner Tageszeitung lese ich, dass die jüngere Generation lieber in der Vergangenheit als in der Zukunft leben würde. „Früher war es besser“ und „Man war glücklicher“ werden junge Leute zitiert. Noch vor acht Jahren sei es genau umgekehrt gewesen. Aber heute sehnen sich 56 Prozent der Erwachsenen unter 34 Jahren in die Vergangenheit zurück, „weil es früher besser war“, mehr Sicherheit und Beständigkeit gegeben habe. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Dieses Grundgefühl der Unsicherheit im Blick auf die Zukunft, das beschleicht auch mich immer mal wieder. Und es wundert mich nicht, dass junge Menschen so empfinden angesichts des Krieges in der Ukraine, angesichts der Pandemie, die ja wohl leider immer noch nicht vorbei ist, angesichts des Klimawandels – um nur das zu nennen. Gleichzeitig merke ich, dass mich dieser Befund nicht kalt lässt, dass es mich erschreckt und traurig macht. Gerade jungen Menschen wünschen wir doch, dass sie zuversichtlich in Zukunft schauen.

Jetzt, im Juni, feiern wir das Pfingstfest. Wir erinnern uns an die Jüngerinnen und Jünger, denen es ähnlich ergangen ist wie uns: Sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte, sie hatten Angst vor dem, was auf sie zukam. Der Auferstandene war ihnen begegnet, das schon, aber dann hatte er sie endgültig verlassen. Und sie hatten sich zurückgezogen, gefangen in ihrer Angst und Traurigkeit. Dann aber war das Unglaubliche passiert: Wie ein Sturmwind hatte Gottes Geist sie erfasst, die Angst und Traurigkeit hinweggepustet, wie ein Feuer hatte sie Gottes Liebe ergriffen und Hoffnung und Gottvertrauen wieder neu entzündet. Und nun hielt sie nichts mehr im Haus. Ohne Angst liefen sie hinaus, ließen die schützenden Mauern hinter sich und teilten die Hoffnung aus, erzählten von Gott, trugen seine Liebe weiter, und es entstand Gemeinschaft: Menschen unterschiedlicher Kulturen und Sprachen verstanden einander – und so geschieht es bis heute. Nicht mit Sturmgebraus und Feuerzungen und deshalb vielleicht auch manchmal leicht zu übersehen, setzt Gottes Geist Menschen in Bewegung aufeinander zu, weckt Gottes Geist die Hoffnung wieder neu und beflügelt, befähigt uns, Hoffnung und Liebe weiterzutragen und die Zukunft anzugehen und zu gestalten und trotz allem mutig und zuversichtlich zu leben und das Leben mit allem Schönen auch dankbar zu genießen.

In einem Lied von Jochen Riess heißt es „Gebrauche deine Kraft. / Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen. / Vertraue auf den Geist, / der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.“

In diesem Sinn frohe Pfingsten und eine gesegnete Sommerzeit!

Ihre Pfarrerin Nina Nicklas-Bergmann

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